Generalsanierung rechte Rheinstrecke: Bahn bestätigt umfangreiche Kapazitätserweiterungen bis mindestens 2027
von der Bürgerinitiative im Mittelrheintal gegen Umweltschäden durch die Bahn e.V.
Die DB InfraGO AG hat auf zusätzliche Nachfrage zur laufenden Korridorsanierung der rechten Rheinstrecke (Troisdorf-Wiesbaden) weitere Details zu den geplanten Maßnahmen im Bereich Leit- und Sicherheitstechnik sowie zur zeitlichen Umsetzung veröffentlicht. Die Rückmeldung zeigt, dass die Arbeiten über den ursprünglich kommunizierten Zeitraum bis Ende 2026 hinausgehen und zugleich eine deutliche Leistungssteigerung der Strecke vorgesehen ist.
Nach Angaben der DB InfraGO AG werden im Zuge der Generalsanierung an mehreren Engpassstellen sowie im Zusammenhang mit den Ankerprojekt S13 konventionelle Blockverdichtungen durch zusätzliche Blocksignale umgesetzt. Darüber hinaus ist im Hinblick auf die für Ende 2027 geplante vollständige Inbetriebnahme des European Train Control System (ETCS) eine umfassende ETCS-Blockverdichtung vorgesehen. Insgesamt sollen knapp 200 zusätzliche Blocksignale installiert werden. Ziel ist eine flexiblere und dichtere Betriebsführung insbesondere für ETCS-ausgerüstete Züge.

Bereits heute ist der Abschnitt zwischen Oberlahnstein und Kaub mit ETCS-Level 2 in Betrieb. Für den gesamten Streckenabschnitt zwischen Troisdorf und Wiesbaden ist die vollständige Ausrüstung mit ETCS-Level 2 (mit Signalen) bis Ende 2027 vorgesehen. Damit wird die digitale Zugsteuerung und -sicherung schrittweise auf der gesamten Strecke eingeführt.
Auch im Bereits der Stellwerkstechnik kommt es zu umfangreichen Modernisierungen. Die Deutsche Bahn ersetzt dabei veraltete Stellwerke durch modernes elektronisches System und passt bestehende Analgen an die neuen betrieblichen Anforderungen an. Aufgrund des hohen Gesamtumfangs der Sanierungsarbeiten n Gleisen, Weichen, Brücken und Verkehrsstationen werden jedoch nicht alle Maßnahmen im Bereich der Stellwerke bis Dezember 2026 abgeschlossen sein. Einzelne Inbetriebnahmen verschieben sich nach Angaben der DB InfraGO AG bis in den Juli 2027.
Die Bahn verweist darauf, dass aus Gründen der öffentlichen Sicherheit nicht alle Detailinformationen zu den konkreten Stellwerksstandorten und technischen Ausführungen veröffentlicht werden können.
Für die Bürgerinitiative im Mittelrheintal ergeben sich aus diesen Informationen zentrale Fragen zur künftigen Belastungssituation entlang der Strecke. Die deutliche technische Aufrüstung – insbesondere durch ETCS, zusätzliche Blocksignale und modernisierte Stellwerkstechnik – führt zu einer erheblichen Steigerung der Leistungsfähigkeit der Strecke. Damit steigt auch das Potenzial für dichtere Zugfolgen und eine intensivere Nutzung des rechten Rheinabschnitts im Güter- und Personenverkehr.
Vor diesem Hintergrund wird aus Sicht der Initiative erneut deutlich, dass die reine Modernisierung der Bestandsstrecke ohne ein übergeordnetes Gesamtkonzept zur Entlastung des Mittelrheintal nicht ausreicht. Während die Infrastruktur technisch auf den neusten Stand gebracht wird, fehlt weiterhin eine verbindliche Perspektive für eine nachhaltige Reduzierung der Belastungen für die Anwohner entlang der Strecke.
Angesichts der weiteren Kapazitätssteigerungen der rechten Rheinstrecke sehen wir neben dem Bund und der Deutschen Bahn auch die Länder Rheinland-Pfalz und Hessen in der Verantwortung, sich deutlich stärker für ein nachhaltiges Entlastungskonzept des Mittelrheintals einzusetzen. Die Menschen entlang der Strecke erwarten zu Recht, dass Lärmschutz, Gesundheitsvorsorge und Zukunftsperspektiven gleichrangig mit dem Ausbau der Infrastruktur behandelt werden.
Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass die technische Leistungsfähigkeit der Strecke weiter erhöht wird. Umso wichtiger wäre es, dass Bund, deutsche Bahn sowie die Länder Rheinland-Pfalz und Hessen gemeinsam endlich eine langfristige Strategie zur Entlastung des Mittelrheintals vorlegen.

