Bürgerinitiative BIGTAB e. V. fordert ehrliche Finanzierungsdebatte und ergebnisoffene Prüfung der Alternativen
PRESSEMITTEILUNG
Bürgerinitiative BIGTAB e. V.
Bückeburg/Porta Westfalica, 17. Juli 2026
Milliardenprojekt Hannover–Bielefeld auf dem Prüfstand
BIGTAB fordert ehrliche Finanzierungsdebatte und ergebnisoffene Prüfung der Alternativen
Deutschland steht vor erheblichen finanzpolitischen Herausforderungen. Rekordverschuldung, ein hoher Investitionsstau im gesamten Verkehrsnetz und begrenzte Planungs- und Baukapazitäten zwingen Bund und Deutsche Bahn dazu, Prioritäten zu setzen. Aus Sicht der Bürgerinitiative BIGTAB ist deshalb der richtige Zeitpunkt gekommen, das Bahnprojekt Hannover–Bielefeld grundsätzlich neu zu bewerten.
Während die Bundesregierung Milliardenbeträge für die Sanierung der bestehenden Infrastruktur bereitstellen muss, verfolgt die Deutsche Bahn weiterhin den Neubau einer Hochgeschwindigkeitstrasse, deren Gesamtkosten inzwischen in einer Größenordnung liegen, die den finanziellen Spielraum des Bundes über viele Jahre erheblich belasten würde.
„Die entscheidende Frage lautet heute nicht mehr, ob ein Neubau technisch möglich ist, sondern ob Deutschland sich ein solches Projekt unter den aktuellen Rahmenbedingungen überhaupt noch leisten kann“, erklärt die Bürgerinitiative BIGTAB.
Bestandsausbau muss gleichberechtigt geprüft werden
Nach Auffassung der BIGTAB wurde der Ausbau der bestehenden Bahnstrecke im Verlauf des Projekts nie mit derselben Intensität untersucht wie die Neubauvarianten. Dabei könnten zahlreiche Maßnahmen auf der vorhandenen Infrastruktur deutlich schneller umgesetzt werden und bereits mittelfristig zu einer spürbaren Verbesserung für Fern-, Regional- und Güterverkehr führen.
Die Bürgerinitiative fordert deshalb eine ergebnisoffene Neubewertung aller technisch realisierbaren Alternativen. Ziel müsse sein, die volkswirtschaftlich sinnvollste Lösung zu finden – nicht zwangsläufig die teuerste.
Gerade vor dem Hintergrund knapper öffentlicher Mittel müsse sich jede Infrastrukturmaßnahme an ihrer Wirtschaftlichkeit, ihrer Finanzierbarkeit und ihrem tatsächlichen verkehrlichen Nutzen messen lassen.
Erhalt vor Neubau
Deutschland verfügt über ein Schienennetz mit einem Sanierungsbedarf in dreistelliger Milliardenhöhe. Gleichzeitig fehlen Fachkräfte, Planungsressourcen und Baukapazitäten. Aus Sicht der BIGTAB muss deshalb der Grundsatz „Erhalt und Optimierung vor Neubau“ wieder zum Leitprinzip der Bundesverkehrspolitik werden.
Jeder Euro, der in die Modernisierung bestehender Strecken investiert wird, verbessert die Leistungsfähigkeit des Netzes unmittelbar. Demgegenüber binden Großprojekte über viele Jahre erhebliche finanzielle und personelle Ressourcen, ohne kurzfristig einen Nutzen für Fahrgäste und Güterverkehr zu entfalten.
Deutsche Bahn muss Alternativen transparent bewerten
Die BIGTAB kritisiert, dass die Deutsche Bahn den Eindruck vermittelt, bereits frühzeitig auf eine Neubaulösung festgelegt gewesen zu sein. Gerade bei Projekten dieser Größenordnung erwarten Bürgerinnen und Bürger jedoch eine transparente und nachvollziehbare Gegenüberstellung aller realistischen Varianten.
Hierzu gehören insbesondere:
- der abschnittsweise Ausbau der Bestandsstrecke,
- die konsequente Nutzung der laufenden Korridorsanierungen,
- kapazitätssteigernde Maßnahmen an Engpässen sowie
- eine schrittweise Modernisierung der vorhandenen Infrastruktur.
Nur wenn diese Möglichkeiten umfassend untersucht werden, kann der Bundestag auf einer belastbaren Grundlage über Milliardeninvestitionen entscheiden.
Verantwortung gegenüber kommenden Generationen
Die BIGTAB appelliert deshalb an Bundestag und Bundesregierung, das Projekt Hannover–Bielefeld unter den heutigen finanziellen Rahmenbedingungen erneut zu bewerten. Angesichts wachsender Staatsverschuldung und eines enormen Investitionsbedarfs im bestehenden Schienennetz dürfen Prestigeprojekte nicht automatisch Vorrang erhalten.
Eine leistungsfähige Bahn entsteht nicht allein durch neue Hochgeschwindigkeitsstrecken. Sie entsteht vor allem durch ein zuverlässiges, modernisiertes und finanziell tragfähiges Gesamtnetz.
Die Bürgerinitiative BIGTAB fordert daher eine unabhängige und ergebnisoffene Überprüfung aller Alternativen sowie eine konsequente Priorisierung von Sanierung, Modernisierung und Bestandsausbau.
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